Zuckerrohrverarbeitung
"Engenhos" (örtliche Zuckerrohrverarbeitungsbetriebe) verarbeiteten die Ernte, die die Zuckerrohrbauern lieferten. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts ging der Zuckerhandel aber erheblich zurück, da die Ernten auf Madeira durch auslaugende Böden immer schlechter wurden und andere Ländern zunehmend Zucker produzierten. Einen nicht unerheblichen Anteil hatte daran ironischerweise Christoph Columbus, der noch 1478 Madeira als Zuckerhändler besucht hatte und dann durch die Einführung des Zuckerrohrs in der Karibik starke Konkurrenten für Madeira erschuf. In der Mitte des 19. Jahrhunderts produzierten nur noch fünf Betriebe Zucker. Bei einer kurzfristigen Wiederbelebung des Zuckerhandels Ende des Jahrhunderts wurden einige stillgelegte Fabriken wieder eröffnet. Nach einer gesetzlichen Produktionsbeschränkung mussten sie aber 1939 wieder schließen.
Heute verarbeiten noch drei Engenhos Zuckerrohr und stellen Zuckerrohrhonig und den Zuckerrohrschnaps Aguardente her. Zuckerrohrhonig wird durch Aufkochen von Zuckerrohrsaft in Kupferkesseln hergestellt und der entstehende Sirup geklärt. Er wird direkt für Süßspeisen oder Poncha verwendet oder zur Herstellung von Schnaps vergoren. Nach der Fermentation wird die Flüssigkeit in der Brennerei zu Schnaps destilliert. Für weniger hochwertigen Zuckerrohrschnaps wird der unverarbeitete Saft vergoren und destilliert. Die drei Betriebe, die mit teilweise 100 Jahre alten Maschinen arbeiten, können besichtigt werden. Vor allem während der Zuckerrohrernte im April ist ein Besuch sehr interessant. Weitere Informationen erhält man im Zuckermuseum in Funchal, wo die Entwicklung der Zuckerindustrie ausführlich dokumentiert ist.